Rowtszchechzkows Lesetipp


In unserer aktuellen Buchbesprechung möchte ich gleich drei Autobiographien vorstellen, die vergangenes Jahr beinahe zeitgleich vom Bärtemann-Verlag veröffentlicht wurden. Man stellt die Entscheidung des Verlags genau so lange in Frage, bis man alle drei Geschichten gelesen hat. Denn Eines wird einem beim Studieren dieser Werke klar: Was auf den ersten Blick gleich zu sein scheint, kann bei näherer Betrachtung plötzlich ungeahnte Unterschiede sprießen lassen, welche den gemeinsamen Nenner unter den auseinanderklaffenden Zählern umso mehr mit Faszination umhüllen. Und nach eingehender Lektüre wird auch klar, wo der gemeinsame Nenner liegt. Alle drei Autoren, David Pätsch, Andi Bühler und Chris Heiny sind Mitglied des Drum-Trios Playmobeat, in dem sich die jeweiligen Stärken zu einem ungeheuren Leuchtfeuer der Perkussions-Kultur verbinden.

Bestseller



Die Bärtemann-Bestseller des Monats. Für Sie exklusiv vorgestellt.


Erste Fanstimmen:


"Ja, ganz gut."


"Ich kann zwar nicht lesen, aber die Bilder sind schön."


"Ich warte lieber auf den Film."


"Zieht den Leser mit nachgestellten Dialogen in seinen Bann."


"Giebt schon Übersetzung?"


David Pätsch – „Voll drauf ist nicht halb leer!“


„Wenn man in Berlin-Neukölln aufwächst, lernt man eins ganz schnell – der erste Schlag muss sitzen!“ Mit dieser Eröffnung packt David Pätsch den Leser vom ersten Moment an am Kragen und lässt ihn nicht mehr los. Die Töpfe seiner Mutter mussten bis zur ersten Klasse seiner überschüssigen Energie und seinem Drang zur rhythmischen Selbstdarstellung stand halten. So war er schon beinahe ein geübter Schlagzeuger, als die Position des Paukers im Orchester für ein Theaterstück an ihn herangetragen wurde. Die Familie erkannte, dass das Geschirr plötzlich keine neuen Beulen und Dellen aufwies und unterstützte ihn somit in seinem Vorhaben Schlagzeuger zu werden. Das Schlüsselerlebnis hierzu findet man jedoch nicht bei der Theateraufführung in der Schulaula, sondern in der Musiker-WG seines Vaters. In der Wohngemeinschaft, aus der später die Nina-Hagen-Band und The Spliff hevorgehen sollte, hatte Herwig Mitteregge sein Drumpodest aufgebaut. „Ich konnte es ja selbst nicht sehen, aber ich glaube, meine Augen haben beim überquellen geleuchtet“. Davids Entschluss Schlagzeuger zu werden stand nun fest und seine Oma schenkte ihm daraufhin seinen ersten Beckensatz. Dem Hersteller der besagten Becken ist er übrigens bis heute treu geblieben. Die solide Ausbildung an der Musikschule und das spätere Studium an der „Hochschule für Musik – Hanns Eisler“ gaben dem wissbegierigen Berliner, was er brauchte: „Hätte ich mir den ganzen Quatsch etwa selbst beibringen sollen? Da muss man doch erstmal drauf kommen.“ Und so äußerte sich im Laufe der Jahre sein Talent in den verschiedensten Projekten und Ideen. Subway to Sally und die Blueman-Group sind vermutlich die bisher erfolgreichsten Stationen seines Schaffens, jedoch auch der Erfolg seines ersten Buchs „Drum Action – New Rock Grooves“, seine Autorentätigkeit in der Zeitschrift Drumheads oder die Nominierung für den deutschen Schallplattenpreis sprechen Bände zu seinen Gunsten. Wie der Titel schon erahnen lässt – David Pätsch geht es gerne mal etwas härter an – sei es in der Musik oder mit seiner Schreibe. Die eher Zartbesaiteten sollten vor dem Genuss dieses Buches mindestens eine halbe Stunde nichts mehr essen, denn darauf zu verzichten ist keine Alternative.




David Pätschs Website

Andi Bühler – „Mach ma du, ich kann’s auch nich besser“


In seinem autobiographischen Werk „Mach ma du, ich kann’s auch nich besser“ beschreibt Andi Bühler die dramatische und durchaus prägende Zeitspanne zwischen seiner letzten Geburt bis zum heutigen Tag. Sätze wie „Es war nicht immer einfach ohne viel Geld“ und „Loben Sie sich doch selbst, Mann!“ machen dieses Buch zur Pflichtlektüre jedes Erstklässlers aller Schulformen. Die Kindheit hat es gut mit ihm gemeint. Grüne Wälder, gutes Essen und herzliche Umgangsformen sind das A und O im Süden Deutschlands. Das Interesse der Mutter an einer kulturellen Bildung, bescherte dem jungen Andreas eine Ausbildung an seinem ersten Instrument – der Mandoline. Im Verein zuhause sollte noch viele Jahre eine tiefe Bindung mit diesem Instrument und vor allem dem sozial-musikalischen Umfeld anhalten. Einige Etappen, die er hier beschreibt sind beispielsweise seine Tätigkeiten als Ausbilder, Jugenddirigent, Spieler im Landesorchester und Vorsitzender des Landes-Jugend-Vorstandes. Seine eigentliche Liebe, beteuert Bühler, war aber seit jeher das Schlagzeug. „Nachdem ich, so lange ich denken kann, jeden irgendwie tauglichen Gegenstand unseres Hauses zur Trommel umgebaut hatte und selbst der Fußtritt-Mülleimer als HiHat-Ersatz herhalten musste, führte kein Weg mehr daran vorbei, mich bei der Musikschule zum Schlagzeug-Unterricht anzumelden.“ So nahm denn die Geschichte ihren Lauf. Erst gab's eine kleine Trommel und bald schon wurde von einem Freund das restliche Set dazu geliehen. Die prägenden Lehrer waren Victoria Ifrim, die Fundament und klassisches Schlagzeugspiel vermittelte, und Hans-Jörg Reichenbach, der den Weg in die Rock- und Jazzwelt ebnete. So war eigentlich vom ersten Tag an das Schlagzeug ein wichtiger Teil seiner Jugend geworden. Anekdoten finden sich in der Geschichte noch und nöcher. Das Studium an der Swiss Jazz School bei Billy Brooks folge. „Bei Billy wurde mir erst klar, was es eigentlich bedeutet zu trommeln. Mit seiner Sprache möchte man sich möglichst so ausdrücken, dass Jeder genau den gemeinten Sinn versteht. Das Trommeln ist des Sinns überdrüssig und benötigt keine Eindeutigkeit. Man wird verstanden – dieses Gefühl ist unbeschreiblich.“ Der erste Preis beim Drummer-Wettbewerb-Altishofen und ein Stipendium der Friedlwald-Jazzstiftung brachten ihn ans Drummer’s Collective nach New York. Andi Bühler beschreibt sich als „stilistisch nicht zu orten“ und verarbeitet noch immer oder immer wieder die unzähligen Inputs zu neuen Ideen und setzt diese in grundverschiedenen Projekten, über die Berliner Musikszene hinaus, um. Wer sich vom Schlagzeugspiel begeistern lassen möchte und blödsinnigen Wortwitz abkann, sollte sich dieses Buch unter sein Kopfkissen legen und hin und wieder zu Gemüte führen.




Andi Bühlers Website



Chris Heiny – „Bis es passt“


Es sind nicht gerade frisch geharkte Kieswege, die ein Perfektionist in seinem Leben beschreitet, wenn er nachsehen möchte, ob es nach dem Horizont wirklich weiter geht. Chris Heiny beschreibt in seiner Autobiographie die Wahrnehmung eines Menschen, der weiß, was er will, und genau deshalb so oft ins Zweifeln kommt. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann bleib ich am Ball, komme was wolle. Naja, und am Ende läuft es dann eben doch wieder anders...“ Man liest heraus, dass das Streben nach Perfektion und der Wille, eine Sache mit ganzem Herzen und vollem Einsatz zu machen, eine großartige Eigenschaft aber auch ein Fluch sein kann. So legt sich Heiny auf der Suche nach einem perfekten Trommelsound für eine Bandproduktion gerne mal fünf neue Snares zu und sucht wochenlang im „...tropisch feuchten Proberaum...“ nach dem richtigen Klang. „Wenn’s nicht passt, dann mach ich eben weiter. Bis es passt!“ Seine bisherigen Etappen sprechen deutlich für diese Haltung: Der Landessieg bei „Jugend Musiziert“, die Tätigkeit bei unzähligen Bands, sein Engagement bei der Blueman-Group und Touneen mit Bands wie Bosse, Tron oder Joachim Deutschland. Vielleicht ist gerade seine frühere Passion sinnbildlich für seine Haltung – Heiny ist nämlich auch gelernter Schreiner und wer seine Stühle selbst baut, der baut sie auch so, dass sie halten. Seien es die Geschichten um sein erstes Schlagzeug, seine Erfahrungen mit der Popwelt, die Sprüche der Trompeter aus der Stadtmusik oder die Eskapaden mit dem anderen Geschlecht, eines ist dieses Buch auf jeden Fall – inspirierend. Und das nicht nur für Schlagzeuger!





Chris Heinys Website